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Schreiben ist …. mit jemandem reden

  • Autorenbild: margritreckroulet
    margritreckroulet
  • 10. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 22 Stunden

Das ist doch offensichtlich“, möchte vielleicht die eine oder der andere mir gleich zurufen. Ist damit auch schon alles gesagt? Lasst mich ein bisschen weiter ausholen… Schreiben führt zu reden mit einem Publikum, zu Leserinnen und Lesern, dazu einen Roman, eine Geschichte, einen Krimi, etc. zu erzählen. Ist erzählen, mit jemandem reden?


Ich gehöre zu den Personen, denen es nicht leichtfällt, mit jemandem zu reden, den ich nicht kenne. Zweifelsohne kann ich irgendetwas über das Wetter erzählen, sogenannten Smalltalk für fünf Minuten aufrechterhalten, aber dann wird das Gespräch zähflüssig, mir fällt nichts nennenswertes mehr ein, ich fühle mich irgendwie unwohl.


Ist Schreiben eine Alternative dazu? Mit wem rede ich beim Schreiben? Ein Zielpublikum zu definieren ist mir lange schwergefallen. Warum? Einerseits um niemanden ausschließen, aber andererseits ist der Anspruch ‘alle’ anzusprechen vermessen. Also: sein lassen. Zu Beginn dieses Jahres habe ich mich der Herausforderung einer Definition eines Zielpublikums gestellt. Nicht als Neujahrsvorsatz, sondern weil ich mir Literaturagenturen angeschaut habe, die alle fragen, welches Zielpublikum dein Roman hat. Und auf einmal habe ich den Dreh gefunden: wir interessieren uns für, erfahren gerne Sichtweisen zum selben Thema.


Etwas weniger direkt ersichtlich, steckt mein Wunsch dahinter, mit jemandem über mein Schreiben als kreatives Schaffen zu reden. Ich blühe auf, wenn mich eine Leserin, ein Leser in ein Gespräch verwickelt über das, was sie im Text gelesen haben, mich fragen, weshalb eine Figur das eine tut, wenn sie doch auch was anderes hätte tun oder sagen können.


‚Last but not least‘, würde ich auf Englisch sagen, ist ‘mit jemanden reden’ aber auch, mit meinen Romanfiguren zu reden, respektive sie reden zu lassen. Natürlich erwachen sie unter meiner Tastatur zu Leben, um bald einmal ein Eigenleben zu entwickeln. Sie reden lassen, wird zu meinem Zuhören.


In der Tat bedingt reden auch zuhören. Für mich steckt hinter jedem Wunsch mit jemandem zu reden, jener von gehört zu werden. Sie sind wie die zwei Seiten einer Münze untrennbar voneinander.



Zurück zum einfachen Smalltalk. Im Gespräch von Angesicht zu Angesicht kann ich fortlaufend abwägen, was ich einem Gegenüber anvertraue oder eben nicht. Was geschrieben ist, ist öffentlich geworden. Wie wird auf das, was ich ‘geschrieben=gesagt’ habe, reagiert?

Als ich Gwen im Selbstverlag herausgegeben habe, habe ich mich unsicher, ja verunsichert, gefühlt, obwohl ich mir sicher sein konnte, dass nicht gleich dutzende oder hunderte, sondern ‘einige’ das Buch lesen werden. Schreiben ist ... mit jemandem reden, ohne zu wissen, wie darauf reagiert wird.


Von den verschiedenen Perspektiven liegt mir am meisten am Herz, in ein Gespräch, eine Interaktion zu kommen. In etwas so, wie die Steinemacherin auf S.176 beschreibt:


Zitat: «… Stell dir vor, ich gebe beispielsweise meiner Skulptur 5 den Namen «Die gespaltene Ansicht». Was geschieht ? Man sucht nach der gespaltenen Ansicht im Werk, fragt sich, was ich damit ausdrücken will. Ohne Titel ist der Blick frei, die Betrachter müssen sich auf die Skulptur einlassen, ihren eigenen Eindruck benennen. Und vielleicht geben sie ihr dann den Namen «Gerillt» oder «Verbunden» oder einfach nur «Spricht mich an». Das ist ein Austausch mit der Botschaft des Steins ohne mein Einwirken, die Skulptur spricht mit ihnen.(Fettdruck von mir für diesen Blog, nicht im Buch)


Schreiben ist …. mein Buch redet mit Dir, Euch!

Herzlichen Dank und bis in einem Monat

Margrit

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